Mittwoch, 18. Februar 2015

Rezension: Rattentanz

Das erste Buch für meine Bücher-Challenge ist geschafft.

Rattentanz von Michael Tietz


Darum ging's:

Als das weltweite Stromnetz zusammenbricht, findet die Menschheit sich plötzlich in einer Zeit wieder, in der Chaos, Gewalt und das Gesetz des Stärkeren herrschen.
Der wohl wirksamste Computervirus hat alles lahmgelegt: Telefone, Radios, Fernseher bleiben stumm, es gibt kein Wasser mehr, Supermarkttüren bleiben geschlossen.
Als dann die ersten Flugzeuge wie Steine vom Himmel fallen, bricht Panik aus. Von nun an ist sich jeder selbst der Nächste und es geht nur noch ums Überleben.
Und inmitten des riesigen Chaos versuchen Eva und Hans Seger sich nach Hause durchzuschlagen, wo ihre Tochter Lea alleine ist.

Meine Meinung:

In diesem Buch wird ein wirklich spannendes Szenario thematisiert, über das wir uns vielleicht einmal ernsthaft Gedanken machen sollten.
Die Geschichte, sei sie auch frei erfunden, regt zum Nachdenken an. Wie würde es uns ergehen, wenn der Alptraum plötzlich Realität werden würde? Wenn der Weg von unserer Arbeit, für den wir sonst nur kurze Zeit brauchen, bis nach Hause zur gefährlichen Reise wird? Du nicht weißt, ob du den nächsten Tag noch erleben wirst?
Mehr als einmal habe ich mich selbst gefragt, wie ich mich verhalten würde? Hätte ich eine reelle Chance zu überleben? 
Der Held und ich sind beispielsweise keine großen Vorrats-Einkäufer. Wir kaufen in der Regel frisch. Konserven oder Dinge, die sich lange halten, haben wir kaum bis gar nicht.
In dieser vom Autor beschriebenen neuen Welt ist dies aber durchaus von Vorteil.
Am Anfang des Buches habe ich noch mehrfach gedacht, die Geschichte bzw. die Reaktion der Menschen sei völlig überzogen, einfach weit hergeholt. Dass man, nur weil der Strom ausfällt, gleich zum brutalen Mörder wird, fand ich zuerst noch relativ unwahrscheinlich. Doch man versetze sich einmal in die Lage eines verzweifelten Familienvaters, der nicht dabei zusehen will, wie seine Familie verhungert... 
Die Alleinerziehende Mutter, die ihren Körper im Tausch gegen ein paar Lebensmittel anbietet, um das Abendessen des Kindes zu sichern. Wir können uns solche Dinge in unserer funktionierenden Welt nicht mal ansatzweise vorstellen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Hunger und das Durchbringen der eigenen Familie uns Menschen Dinge tun lassen, zu denen wir sonst nicht fähig wären.

Das macht das Buch lesenswert: 

Es gibt mehrere Personen, deren Geschichten erzählt werden. Man springt zwischen diesen Geschichten immer wieder hin und her, was das Buch, meiner Meinung nach, auflockert und sich dadurch nicht alles stur an einem Ort abspielt.
Außerdem gefallen mir Bücher, die mich zum Nachdenken anregen und mir vielleicht eine neue Sichtweise aufzeigen. Das ist diesem Buch sehr gut gelungen.

Das hat mich genervt:

Manche der Geschichten bzw. Personen fand ich sehr zäh, weil sie mich persönlich nicht so interessiert haben.
Der Schreibstil des Autors war gewöhnungsbedürftig, weil er wahnsinnig lange und komplizierte Schachtelsätze verwendet hat. Das hat das Lesen für mich nicht sehr flüssig gemacht.

Solltest du das Buch nun lesen oder besser nicht?

Ein klares Ja! Das Buch macht einem deutlich, wie abhängig wir doch von Elektrizität sind. Unsere Gesellschaft funktioniert eben nur, solange nichts außer der Reihe passiert.
Die Geschichte ist sehr beklemmend und kam mir mehr als einmal nachts aufs Bett.
An einigen Stellen war sie etwas zäh und insgesamt sehr langatmig. Ich finde, man hätte das alles auch in deutlich weniger Text erzählen können, aber dennoch lohnt sich das Lesen von Rattentanz sehr.



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